NACE-Code

NACE 82.2 – Callcenter | Öffentliche Ausschreibungen

NACE 82.2: Callcenter, Bürgertelefone und Service-Hotlines für Behörden in öffentlichen Ausschreibungen. CPV-Codes, Auftraggeber und Vergabeverfahren.

Definition: NACE 82.2 umfasst die Erbringung von Callcenter-Dienstleistungen, d.h. den telefonischen Kontakt zu Kunden, Bürgern oder Behörden im Auftrag Dritter — einschließlich Inbound-Hotlines, Outbound-Kampagnen und Omnichannel-Kommunikationsdiensten. Im öffentlichen Sektor gewinnt dieser Bereich durch Bürgertelefone, Behördenservicenummern und digitale Verwaltungskanäle erheblich an Bedeutung.

Rechtsstand: NACE Rev. 2 (Verordnung (EG) Nr. 1893/2006) · Zuletzt aktualisiert: Jänner 2026


Was umfasst NACE 82.2?

NACE 82.2 (Callcenter) klassifiziert Unternehmen, die telefonische und multimediale Kommunikationsdienstleistungen für Dritte erbringen — im öffentlichen Bereich vor allem Bürgerkommunikation, Krisenhotlines und Verwaltungsservices.

Die Gruppe 82.2 bildet eine eigenständige Klasse innerhalb der Abteilung 82:

KlasseBezeichnungTypische Leistungen
82.20CallcenterInbound- und Outbound-Telefonie, Chat, E-Mail-Response

Öffentliche Auftraggeber nach NACE 82.2 sind Bundesministerien, Behörden mit Bürgerkontakt (Finanzämter, Jobcenter, KFZ-Zulassungsstellen), kommunale Verwaltungen, Gesundheitsbehörden (z.B. Infektionsschutz-Hotlines) sowie öffentliche Versorgungsunternehmen.


Öffentliche Ausschreibungen: Tätigkeitsbereich NACE 82.2

Callcenter-Leistungen für die öffentliche Hand werden als Dienstleistungsaufträge oder Rahmenverträge ausgeschrieben — häufig mit Anforderungen an Datenschutz, Erreichbarkeit und Qualitätssicherung.

Typische Auftragsarten

  • Bürgertelefone und Service-Hotlines: Betrieb von Einheitlichen Behördennummern (z.B. D115 in Deutschland), kommunale Servicetelefone, Auskunftsdienste für Verwaltungsleistungen
  • Krisentelefone und Sonderkommunikation: Betrieb von Hotlines bei Katastrophen, Pandemien, Extremwetterereignissen oder sozialen Notlagen (Sozialberatung, Suizidprävention)
  • Gesundheitliche Beratungshotlines: Ärztliche und pflegerische Telefon- und Videoberatung im Auftrag von Krankenkassen oder Gesundheitsministerien
  • Omnichannel-Kommunikationsdienste: Integration von Telefon, E-Mail, Chat und Videokommunikation für Bürgerserviceportale
  • Outbound-Kommunikation: Terminerinnerungen, Zufriedenheitsbefragungen, Rückrufaktionen im Auftrag öffentlicher Stellen
  • Dolmetsch- und Übersetzungstelefonie: Mehrsprachige Callcenter-Dienste für die Kommunikation mit nicht deutschsprachigen Bürgerinnen und Bürgern

Schwellenwerte und Verfahrensarten

Callcenter-Dienstleistungsaufträge unterliegen ab 221.000 EUR (EU-Schwellenwert für Dienstleistungsaufträge öffentlicher Auftraggeber) der EU-weiten Ausschreibungspflicht. Größere Rahmenverträge — etwa für den Betrieb nationaler Behördenhotlines — überschreiten diesen Schwellenwert regelmäßig erheblich. Verfahren: offenes Verfahren oder nicht offenes Verfahren nach Teilnahmewettbewerb.


Relevante CPV-Codes für NACE 82.2

Für die Suche nach Callcenter-Ausschreibungen der öffentlichen Hand sind folgende CPV-Codes relevant:

CPV-CodeBezeichnungAnwendungsbereich
79512000CallcenterAllgemeiner Callcenter-Betrieb
79511000TelefonauskunftsdiensteInformationshotlines, Bürgertelefone
79341000WerbedienstleistungenOutbound-Kommunikation (nur bei Marketingkampagnen)
85312300Beratungsdienste (Sozialdienste)Krisentelefone, soziale Beratungshotlines
72400000InternetdienstleistungenOmnichannel-Plattformen
79521000DokumentenbearbeitungE-Mail-Response, schriftlicher Kundenservice

Aktuelle Ausschreibungen mit diesen CPV-Codes finden Sie auf TED (Tenders Electronic Daily) sowie auf nationalen Vergabeplattformen wie DTVP, evergabe.de oder dem Österreichischen Bundesvergabeportal.


Für wen ist NACE 82.2 im Vergaberecht relevant?

Öffentliche Auftraggeber

Callcenter-Leistungen werden auf allen Verwaltungsebenen vergeben. In Deutschland ist die Beauftragte der Bundesregierung für Informationstechnik (BfIT) und das Beschaffungsamt des Bundesministeriums des Innern für zentrale Callcenter-Rahmenverträge zuständig. Das D115-Netz (einheitliche Behördenrufnummer) verbindet Bund, Länder und Kommunen und wird durch regionale Callcenter-Dienstleister betrieben. Gesundheits- und Sozialministerien vergeben regelmäßig Hotline-Leistungen. In Österreich betreiben Ministerien und die Sozialversicherung eigene oder ausgelagerte Servicetelefone.

Unternehmen und Bieter

Anbieter von Callcenter-Leistungen für die öffentliche Hand müssen typischerweise folgende Kriterien erfüllen:

  • Datenschutz und Datensicherheit: DSGVO-konforme Systeme, ISO 27001-Zertifizierung, ggf. BSI-Grundschutz-Konformität bei sicherheitsrelevanten Inhalten
  • Erreichbarkeit und SLA: Nachweis definierter Servicelevel (z.B. 80 % der Anrufe innerhalb von 20 Sekunden), Redundanz und Ausfallsicherheit
  • Personal und Qualifikation: Fachkenntnisse der Agenten in Verwaltungsabläufen, Schulungsnachweise, ggf. Sicherheitsüberprüfung
  • Technische Infrastruktur: ACD-System (Automatic Call Distribution), CRM-Integration, Barrierefreiheit (z.B. Relay-Dienste für Gehörlose)
  • Referenzen: Vergleichbare Aufträge aus dem öffentlichen oder regulierten Bereich

NACE 82.2 im Kontext: Abschnitt N und Abteilung 82

NACE 82.2 ist Teil der Abteilung 82 innerhalb des Abschnitts N (Erbringung von wirtschaftlichen Dienstleistungen).


Häufige Fragen zu NACE 82.2 und öffentlichen Ausschreibungen

Welche Unternehmen fallen unter NACE 82.2?
Alle Unternehmen, die ihren wirtschaftlichen Schwerpunkt im Betrieb von Callcentern haben — d.h. Inbound- und Outbound-Telefonie, schriftliche Kundenkorrespondenz und multimediale Kommunikation für Dritte. Reine IT-Dienstleister ohne eigene Agenten fallen in der Regel nicht darunter.

Unterliegen Callcenter-Leistungen für Behörden besonderen Datenschutzpflichten?
Ja. Callcenter-Dienstleister für öffentliche Auftraggeber agieren als Auftragsverarbeiter und müssen einen Auftragsverarbeitungsvertrag (AVV) abschließen. Bei besonders sensiblen Daten (Gesundheit, Sozialleistungen) gelten erhöhte Anforderungen; das Personal kann einer Sicherheitsüberprüfung unterliegen.

Wie wird die Qualität von Callcenter-Leistungen im Vergabeverfahren bewertet?
Neben dem Preis werden typischerweise Konzepte zur Qualitätssicherung, Schulungsmaßnahmen, Erreichbarkeitsgarantien (SLA), Eskalationsverfahren und Referenzprojekte bewertet. Mystery-Calling-Tests können Bestandteil der Leistungskontrolle sein.

Können Freelancer oder Kleinstunternehmen an Callcenter-Ausschreibungen teilnehmen?
Direkt meist nicht, da die Kapazitätsanforderungen (Agentenzahl, Redundanz, 24/7-Betrieb) häufig nur für mittelgroße Unternehmen erfüllbar sind. Die Bildung von Bietergemeinschaften oder die Rolle als Nachunternehmer bietet jedoch Einstiegsmöglichkeiten.


Zuletzt aktualisiert: Jänner 2026
Alle Angaben ohne Gewähr. Für rechtlich verbindliche Auskünfte wenden Sie sich an eine auf Vergaberecht spezialisierte Kanzlei.

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