NACE-Code

NACE 75.0 – Veterinärwesen | Öffentliche Ausschreibungen

NACE 75.0: Tierärzte und Veterinärwesen in öffentlichen Ausschreibungen. Amtstierärzte, Tierseuchenbekämpfung, Tierschutzausschreibungen kommunaler Auftraggeber.

Definition: NACE 75.0 umfasst alle veterinärmedizinischen Tätigkeiten — von Tierarztpraxen und Tierkliniken über Amtstierärzte bis hin zu tiermedizinischen Labordienstleistungen. Im öffentlichen Auftragswesen ist das Veterinärwesen durch kommunale Tierseuchenbekämpfung, Lebensmittelkontrolle und tierschutzbehördliche Aufgaben relevant.

Rechtsstand: NACE Rev. 2 (Verordnung (EG) Nr. 1893/2006) · Zuletzt aktualisiert: Jänner 2026


Was umfasst NACE 75.0?

NACE 75.0 (Veterinärwesen) klassifiziert alle Unternehmen und freiberuflich tätigen Tierärzte, die tiermedizinische Dienstleistungen für Haus-, Nutz- und Wildtiere erbringen.

Die Gruppe 75.0 innerhalb des Abschnitts M (Freiberufliche und wissenschaftliche Tätigkeiten) und der Abteilung 75 umfasst eine Klasse:

KlasseBezeichnungTypische Leistungen
75.00VeterinärwesenTierärztliche Praxen, Tierkliniken, Amtstierärzte, Tierseuchenbekämpfung, Lebensmitteluntersuchung, veterinärmedizinische Labordienstleistungen, Tierheime

Öffentliche Auftraggeber im Bereich NACE 75.0 sind Veterinär- und Lebensmittelüberwachungsämter (VetA), Gesundheitsämter mit veterinärer Abteilung, kommunale Tierheime, die Bundeswehr (Veterinärwesen der Streitkräfte) sowie Forschungseinrichtungen mit Tierhaltung.


Öffentliche Ausschreibungen: Tätigkeitsbereich NACE 75.0

Veterinärmedizinische Dienstleistungen werden auf verschiedenen Verwaltungsebenen ausgeschrieben — von kommunalen Tierheimen bis zu bundesweiten Tierseuchenprogrammen.

Typische Auftragsarten

  • Tierheimleistungen: Betrieb kommunaler Tierheime (Fundtierverwaltung, Tierpflege, tierärztliche Versorgung); häufig als Dienstleistungskonzession oder Subventionsvertrag
  • Tierseuchenbekämpfung: Veterinärmedizinische Dienstleistungen für behördliche Seuchenbekämpfungsmaßnahmen (Vogelgrippe, Maul- und Klauenseuche, Afrikanische Schweinepest)
  • Lebensmitteluntersuchung und -kontrolle: Labordienstleistungen für amtliche Lebensmittelkontrollen, Fleischuntersuchung an Schlachtstätten
  • Amtstierärztliche Begutachtung: Ärztliche Gutachten für Tierschutzverfahren, Einfuhrkontrollen, Tiertransportkontrolle
  • Bundeswehr-Veterinärwesen: Fleisch- und Lebensmitteluntersuchung für Bundeswehrverpflegung, veterinärhygienische Beratung
  • Tierärztliche Versorgung öffentlicher Einrichtungen: Betreuung von Zoos, Tierparks und Wildgehegen in öffentlicher Trägerschaft

Schwellenwerte und Verfahrensarten

Veterinärdienstleistungen über 221.000 EUR (2024/2025) sind EU-weit auszuschreiben. Beim Betrieb kommunaler Tierheime ist zu prüfen, ob es sich um einen Dienstleistungsauftrag oder eine Dienstleistungskonzession handelt (Übergang des Betriebsrisikos). Viele Kommunen betreiben Tierheime auch über Zuwendungsverträge mit anerkannten Tierschutzorganisationen, was zu einer vergaberechtlichen Sondersituation führt.


Relevante CPV-Codes für NACE 75.0

CPV-CodeBezeichnungAnwendungsbereich
85200000VeterinärwesenAllgemeine veterinärmedizinische Dienstleistungen
85210000Tierärztliche PraxisTierarztleistungen
85211000Veterinärchirurgische DienstleistungenOperationen, Klinikleistungen
85212000Tierärztliche KontrollleistungenAmtstierärztliche Kontrollen
85214000TierhaltungsdienstleistungenTierheimbetrieb, Tierpflege
73111000Labordienstleistungen für ForschungszweckeVeterinärmedizinische Laboranalysen

Aktuelle Ausschreibungen finden Sie auf TED (Tenders Electronic Daily) sowie auf nationalen Vergabeplattformen.


Für wen ist NACE 75.0 im Vergaberecht relevant?

Öffentliche Auftraggeber

Landkreise und kreisfreie Städte sind als Träger der Veterinär- und Lebensmittelüberwachungsämter (VetA/LÜVA) die häufigsten öffentlichen Auftraggeber für veterinärmedizinische Dienstleistungen. Der Betrieb von Tierheimen liegt meist in kommunaler Verantwortung oder wird an Tierschutzvereine delegiert. Das Veterinäramt der Bundeswehr (VA BW) ist zuständig für die Lebensmitteluntersuchung bei der Truppe und kooperiert mit zivilen Untersuchungsämtern. Öffentliche Zoos, Wildparks und Naturschutzeinrichtungen benötigen veterinärmedizinische Betreuungsverträge.

Unternehmen und Bieter

Tierärzte und veterinärmedizinische Einrichtungen, die öffentliche Aufträge anstreben, müssen folgende Anforderungen erfüllen:

  • Approbation: Tierärztliche Approbation nach TAppO sowie ggf. Fachtierarzt-Anerkennungen für Spezialbereiche
  • Behördlich anerkannte Laboratorien: Für amtliche Untersuchungen nach Lebensmittelrecht (akkreditiert nach DIN EN ISO/IEC 17025)
  • Amtstierärztliche Weiterbildung: Bei Bewerbung um amtliche Tätigkeiten
  • Kapazitätsnachweise: Ausreichende räumliche und personelle Kapazitäten für das ausgeschriebene Leistungsvolumen

NACE 75.0 im Kontext: Abschnitt M und verwandte NACE-Gruppen


Häufige Fragen zu NACE 75.0 und öffentlichen Ausschreibungen

Muss der Betrieb eines kommunalen Tierheims ausgeschrieben werden?
Grundsätzlich ja, wenn der Auftragswert den Schwellenwert überschreitet. Viele Kommunen schließen Verträge mit Tierschutzvereinen über Zuwendungen statt über Beschaffungsverträge ab. Diese Konstruktion ist vergaberechtlich umstritten, wenn die Gemeinde im Gegenzug Fundtierleistungen erhält (Austauschcharakter).

Welche veterinärmedizinischen Leistungen sind grundsätzlich nicht ausschreibungspflichtig?
Hoheitliche Tätigkeiten, die Amtstierärzte in Ausübung staatlicher Befugnisse erbringen (z.B. Erlaubnis nach TierSchG), sind keine Aufträge im vergaberechtlichen Sinne. Die Betrauung eines Tierarztes mit amtlichen Aufgaben (z.B. als beamteter Tierarzt) unterliegt dem Beamtenrecht, nicht dem Vergaberecht.

Wie werden Leistungen für die Tierseuchenbekämpfung vergeben?
Im Regelfall über Rahmenverträge mit regionalen Veterinärpraxen oder Ringalarmvereinbarungen. Bei akuten Ausbrüchen (z.B. Maul- und Klauenseuche) können Dienstleistungen im Dringlichkeitsverfahren ohne Wettbewerb vergeben werden, wenn die engen Voraussetzungen des § 14 Abs. 4 Nr. 3 VgV vorliegen.

Sind Tierärzte für öffentliche Zoos verpflichtet, sich an Ausschreibungen zu beteiligen?
Nein — aber der Zoo als öffentlicher Auftraggeber ist verpflichtet, tierärztliche Leistungen ab dem Schwellenwert auszuschreiben. Gelingt es einem Tierarzt, mit dem Zoo einen Rahmenvertrag zu schließen, profitiert er von langfristiger Planungssicherheit.


Zuletzt aktualisiert: Jänner 2026
Alle Angaben ohne Gewähr. Für rechtlich verbindliche Auskünfte wenden Sie sich an eine auf Vergaberecht spezialisierte Kanzlei.

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