NACE-Code

NACE 73.1 – Werbung | Öffentliche Ausschreibungen

NACE 73.1: Werbung, Kommunikationsleistungen und Öffentlichkeitsarbeit für Behörden in öffentlichen Ausschreibungen. CPV-Codes und Vergabepraxis.

Definition: NACE 73.1 umfasst Werbeagenturen, PR-Agenturen und Medienvermarkter, die Werbebotschaften entwickeln, gestalten und schalten. Im öffentlichen Sektor gewinnen Kommunikationsaufträge für Behördenkampagnen, Öffentlichkeitsarbeit und digitale Kommunikation zunehmend an Bedeutung und unterliegen ab bestimmten Wertgrenzen dem Vergaberecht.

Rechtsstand: NACE Rev. 2 (Verordnung (EG) Nr. 1893/2006) · Zuletzt aktualisiert: Jänner 2026


Was umfasst NACE 73.1?

NACE 73.1 (Werbung) klassifiziert Unternehmen, die kommunikative Leistungen entwickeln und vermarkten — von der Kreativkonzeption bis zur Mediabuchung — und zählt zu den wachsenden Dienstleistungsbereichen im öffentlichen Auftragswesen.

Die Gruppe 73.1 innerhalb des Abschnitts M und der Abteilung 73 gliedert sich in zwei Klassen:

KlasseBezeichnungTypische Leistungen
73.11WerbeagenturenKonzeption, Text, Gestaltung, Produktion von Werbemitteln; Kampagnenentwicklung; Corporate Design
73.12Vermarktung von Anzeigenraum und WerbezeitenMediaplanung, -einkauf, Schaltung von Print-, TV-, Online- und Außenwerbung

Öffentliche Auftraggeber vergeben Kommunikationsleistungen an Werbe- und PR-Agenturen für Informationskampagnen (z.B. Gesundheitsaufklärung, Verkehrssicherheit), institutionelle Kommunikation und digitale Präsenz.


Öffentliche Ausschreibungen: Tätigkeitsbereich NACE 73.1

Öffentliche Kommunikationsaufträge umfassen ein breites Spektrum — von der Plakatierungskampagne einer Gemeinde bis zur multimedialen EU-weiten Informationskampagne eines Bundesministeriums.

Typische Auftragsarten

  • Behördenkampagnen und Informationskampagnen: Gesundheitsprävention, Impfaufklärung, Verkehrssicherheitskampagnen, Energie- und Klimakommunikation für Ministerien und Bundesbehörden
  • Institutionelle Kommunikation und CI: Entwicklung oder Überarbeitung von Corporate Design, Styleguides, Leitbildkommunikation für öffentliche Einrichtungen
  • Digitale Kommunikation und Social Media: Redaktionelle Betreuung, Content-Erstellung, Social-Media-Kampagnen für Behördenkonten
  • Printprodukte und Publikationen: Gestaltung und Produktion von Broschüren, Jahresberichten, Flyern, Plakaten im Behördenauftrag
  • Veranstaltungskommunikation: Messepräsenz, Ausstellungskonzepte, Eventmarketing für staatliche Institutionen
  • Mediaplanung und -einkauf: Strategische Planung und Schaltung von Anzeigen in Print-, Digital- und Außenwerbemedien

Vergabeverfahren für Kommunikationsleistungen

Werbe- und PR-Leistungen sind Dienstleistungsaufträge und werden nach VgV (EU-weit) bzw. UVgO (unterschwellig) vergeben. Das bevorzugte Verfahren ist das Verhandlungsverfahren mit Teilnahmewettbewerb, da kreative Leistungen eine Verhandlungsphase erfordern. Bei gestalterisch bedeutenden Aufträgen kann ein Kreativwettbewerb nach dem Prinzip der RPW durchgeführt werden. Der EU-Schwellenwert für Dienstleistungen beträgt 221.000 EUR (Stand 2024/2025) für klassische Auftraggeber.


Relevante CPV-Codes für NACE 73.1

Kommunikations- und Werbeaufträge sind auf TED und nationalen Plattformen über spezifische CPV-Codes auffindbar.

CPV-CodeBezeichnungAnwendungsbereich
79340000WerbedienstleistungenAllgemeine Werbeaufträge
79341000WerbeberatungStrategische Kommunikationsberatung
79341400WerbekampagnenKonzeption und Durchführung von Kampagnen
79416000PR-DienstleistungenÖffentlichkeitsarbeit, Medienarbeit
79822000Grafikdesign-DienstleistungenCorporate Design, Gestaltung von Publikationen
79970000VerlagsdienstleistungenRedaktion und Produktion von Behördenpublikationen
92111200Herstellung von WerbefilmenVideo- und Filmproduktion für Kampagnen

Aktuelle Ausschreibungen mit diesen CPV-Codes finden Sie auf TED (Tenders Electronic Daily) sowie auf nationalen Vergabeplattformen.


Für wen ist NACE 73.1 im Vergaberecht relevant?

Öffentliche Auftraggeber

Bundesministerien und deren Presse- und Öffentlichkeitsarbeitsstäbe sind die volumenstärksten Auftraggeber für Kommunikationsleistungen. Besonders aktiv sind Gesundheitsministerien (Präventionskampagnen), Verkehrsministerien (Sicherheitskampagnen), Wirtschaftsministerien (Standortmarketing) sowie das Bundespresseamt (BPA) in Deutschland und das Bundeskanzleramt in Österreich als übergeordnete Kommunikationsstellen. Kommunen vergeben Leistungen für Stadtmarketing, Tourismusförderung und bürgernahe Kommunikation.

Unternehmen und Bieter

Agenturen, die an öffentlichen Kommunikationsausschreibungen teilnehmen, müssen typischerweise nachweisen:

  • Referenzprojekte: Vergleichbare Kommunikationsaufträge (Auftraggeber, Kampagnengröße, Zielgruppe, Medienkanäle)
  • Personelle Ausstattung: Qualifikation der Projektverantwortlichen, eingesetzte Kreativ- und Mediaexperten
  • Wirtschaftliche Leistungsfähigkeit: Mindestjahresumsatz, Berufshaftpflichtversicherung
  • Technische Ausstattung: Produktionskapazitäten, Technologieplattformen, Druckzertifizierungen

Bietergemeinschaften aus Kreativagentur, PR-Agentur und Mediahaus sind bei Vollservice-Ausschreibungen verbreitet. Auch die Eignungsleihe für spezialisierte Medienkompetenzen ist zulässig.


NACE 73.1 im Kontext: Abschnitt M und Abteilung 73

NACE 73.1 bildet gemeinsam mit NACE 73.2 (Marktforschung) die kommunikative Infrastruktur der öffentlichen Außendarstellung ab.


Häufige Fragen zu NACE 73.1 und öffentlichen Ausschreibungen

Unterliegen alle Kommunikationsaufträge der öffentlichen Hand dem Vergaberecht?
Grundsätzlich ja, sobald die relevanten Schwellenwerte überschritten werden. Unterhalb von 25.000 EUR netto (Deutschland, UVgO) können Auftraggeber freihändig vergeben. Viele Behörden schließen Rahmenverträge für wiederkehrende Leistungen wie Social-Media-Betreuung oder Printdesign.

Wie werden kreative Leistungen vergaberechtlich beurteilt?
Kreative Dienstleistungen sind nicht standardisierbar und erfordern daher ein Verfahren, das Verhandlungen ermöglicht. Das Verhandlungsverfahren mit Teilnahmewettbewerb ist der Standard. Auftraggeber müssen klare Zuschlagskriterien festlegen — rein subjektive Kreativbewertungen sind vergaberechtlich problematisch.

Darf eine Agentur Medienrabatte behalten?
In öffentlichen Verträgen werden Medienrabatte und Skonti üblicherweise an den Auftraggeber weitergegeben. Dies ist regelmäßig Bestandteil der Vergabebedingungen und sollte in der Kalkulation berücksichtigt werden.

Wie lange laufen Rahmenverträge für Kommunikationsleistungen?
Vergaberechtlich ist die Laufzeit von Rahmenverträgen auf vier Jahre beschränkt. Viele Behörden schließen Zwei-Jahres-Verträge mit Verlängerungsoption, um Flexibilität bei Regierungswechseln zu wahren.


Zuletzt aktualisiert: Jänner 2026
Alle Angaben ohne Gewähr. Für rechtlich verbindliche Auskünfte wenden Sie sich an eine auf Vergaberecht spezialisierte Kanzlei.

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