NACE-Code

NACE 69.1 – Rechtsberatung | Öffentliche Ausschreibungen

NACE 69.1: Rechtsberatung öffentlicher Auftraggeber und Vergaberechtskanzleien in öffentlichen Ausschreibungen. CPV-Codes, Auftraggeber und Vergabeverfahren.

Definition: NACE 69.1 umfasst alle Rechtsberatungs- und Rechtsvertretungsleistungen durch Rechtsanwälte, Notare und andere Rechtsfachleute. Im öffentlichen Beschaffungswesen ist diese Gruppe von zentraler Bedeutung: Behörden, Ministerien und öffentliche Unternehmen vergeben regelmäßig Mandate für Vergaberecht, Verwaltungsrecht, Baurecht und sonstige rechtliche Beratungsleistungen an externe Kanzleien.

Rechtsstand: NACE Rev. 2 (Verordnung (EG) Nr. 1893/2006) · Zuletzt aktualisiert: Jänner 2026


Was umfasst NACE 69.1?

NACE 69.1 (Rechtsberatung) klassifiziert alle Unternehmen und Berufsträger, die rechtliche Beratung, Vertretung und Dokumentenerstellung anbieten — ein Segment, das im öffentlichen Auftragswesen besonderes Gewicht hat, da öffentliche Auftraggeber auf externe Rechtsexpertise angewiesen sind.

Die Gruppe 69.1 innerhalb des Abschnitts M (Erbringung von freiberuflichen, wissenschaftlichen und technischen Dienstleistungen) und der Abteilung 69 gliedert sich in folgende Leistungsbereiche:

KlasseBezeichnungTypische Tätigkeiten
69.10Rechtsberatung und -vertretungKanzleileistungen, Prozessvertretung, Vertragsgestaltung
69.10Notarielle LeistungenBeurkundungen, Grundbucheintragungen, Gesellschaftsgründungen
69.10Patentanwaltliche LeistungenSchutzrechtsanmeldungen, IP-Beratung öffentlicher Einrichtungen

Öffentliche Auftraggeber benötigen rechtliche Beratung vor allem in den Bereichen Vergaberecht, Verwaltungsrecht, öffentliches Baurecht, Datenschutzrecht (DSGVO-Konformität), Arbeitsrecht sowie bei Vertragsgestaltung für komplexe Beschaffungsvorhaben und öffentlich-private Partnerschaften (PPP/ÖPP).


Öffentliche Ausschreibungen: Tätigkeitsbereich NACE 69.1

Rechtsberatungsleistungen für öffentliche Auftraggeber sind ein bedeutendes, wachsendes Marktsegment — komplexere Vergabeverfahren, zunehmende Regulierung und häufigere Nachprüfungsverfahren erhöhen den Beratungsbedarf öffentlicher Stellen kontinuierlich.

Typische Auftragsarten

  • Vergaberechtliche Beratung: Rechtsbegleitende Beratung bei der Vorbereitung und Durchführung von Vergabeverfahren
  • Nachprüfungsvertretung: Vertretung öffentlicher Auftraggeber vor Vergabekammern und Vergabesenaten
  • Vertragsgestaltung: Erstellung und Prüfung von Rahmenverträgen, Konzessionsverträgen und ÖPP-Verträgen
  • Verwaltungsrechtliche Beratung: Allgemeine Rechtsberatung für Behörden, Widerspruchs- und Klageverfahren
  • Datenschutzrechtliche Beratung: DSGVO-Compliance, Datenschutz-Folgenabschätzungen, Beratung zum IT-Vergaberecht
  • Baurechtsberatung: Planungsrecht, Erschließungsrecht, öffentliches Baurecht für Infrastrukturprojekte

Schwellenwerte und Verfahrensarten

Rechtsberatungsleistungen sind Dienstleistungsaufträge. Der EU-Schwellenwert (2024/2025: 221.000 EUR für zentrale Behörden, 443.000 EUR für andere öffentliche Auftraggeber) gilt auch hier. Allerdings können anwaltliche Leistungen in bestimmten Mitgliedstaaten als "nicht prioritäre Dienstleistungen" eingestuft werden. In der Praxis werden Rahmenverträge für Rechtsberatungsleistungen häufig im offenen Verfahren oder im Verhandlungsverfahren vergeben.


Relevante CPV-Codes für NACE 69.1

Rechtsberatungsleistungen werden in öffentlichen Ausschreibungen durch einen spezifischen CPV-Bereich abgebildet, der verschiedene Teilbereiche der Rechtspraxis erfasst.

CPV-CodeBezeichnungAnwendungsbereich
79100000RechtsdienstleistungenAllgemeine Rechtsberatung und -vertretung
79110000Rechtsberatungs- und -vertretungsleistungenAnwaltliche Beratung und Prozessvertretung
79111000RechtsberatungsleistungenAußergerichtliche Rechtsberatung
79112000RechtsvertretungsleistungenGerichtliche Vertretung
79130000Rechts- und UrkundsdiensteNotarielle Leistungen, Beurkundungen
79140000Rechtliche Beratungs- und InformationsleistungenSpezialisierte Fachrechtsberatung

Aktuelle Ausschreibungen mit diesen CPV-Codes finden Sie auf TED (Tenders Electronic Daily) sowie auf nationalen Vergabeplattformen.


Für wen ist NACE 69.1 im Vergaberecht relevant?

Öffentliche Auftraggeber

Nahezu alle öffentlichen Stellen benötigen externe Rechtsberatung. Besonders ausgeprägt ist der Bedarf bei Bundesministerien, die komplexe Gesetzgebungsvorhaben oder internationale Verträge begleiten lassen. Kommunen und Landkreise beauftragen Kanzleien vor allem für Vergaberecht, öffentliches Baurecht und Verwaltungsrecht. Öffentliche Unternehmen (z.B. Stadtwerke, Krankenhäuser) benötigen Unterstützung bei gesellschaftsrechtlichen Fragen und Vergaberecht. Rechnungshöfe und Aufsichtsbehörden vergeben spezifische Prüfungsbegleitungsmandate.

Unternehmen und Bieter

Anwaltskanzleien und Rechtsberatungsunternehmen, die an öffentlichen Ausschreibungen teilnehmen, müssen typischerweise:

  • Fachanwalts- und Spezialisierungsnachweis: Nachgewiesene Expertise im ausgeschriebenen Rechtsgebiet (z.B. Fachanwalt für Vergaberecht, Verwaltungsrecht)
  • Referenzmandate: Vergleichbare Beratungsmandate für öffentliche Auftraggeber in den letzten 3–5 Jahren
  • Berufshaftpflichtversicherung: Ausreichende Deckungssumme entsprechend dem Auftragsvolumen
  • Personalkapazität: Nachweis ausreichender Seniorpartner und Associates für die Bearbeitung des Auftrags
  • Interessenkonfliktfreiheit: Erklärung, dass keine Interessenkonflikte bestehen

NACE 69.1 im Kontext: Abschnitt M und Abteilung 69

NACE 69.1 ist Teil von Abteilung 69 (Rechts- und Steuerberatung) innerhalb des Abschnitts M für freiberufliche Dienstleistungen — ein zentrales Segment für die rechtliche Unterstützung öffentlicher Auftraggeber.


Häufige Fragen zu NACE 69.1 und öffentlichen Ausschreibungen

Müssen Rechtsberatungsleistungen öffentlich ausgeschrieben werden? Grundsätzlich ja, wenn der Schwellenwert überschritten wird. In Deutschland und Österreich sind anwaltliche Leistungen vollständig vergabepflichtig. Allerdings haben viele öffentliche Auftraggeber Rahmenverträge mit mehreren Kanzleien abgeschlossen, über die Einzelmandate ohne neue Ausschreibung vergeben werden können.

Wie werden Rechtsberatungsleistungen bewertet — nur nach Preis oder auch nach Qualität? Rechtsberatung ist ein typischer Fall, bei dem Qualitätskriterien dominieren sollten. Üblich sind Zuschlagskriterien wie Qualifikation des Projektteams, Konzept der Leistungserbringung, Referenzen und erst nachrangig der Stundensatz. Eine reine Preisvergabe ist bei anwaltlichen Leistungen vergaberechtlich problematisch.

Was sind Rahmenvereinbarungen für Rechtsberatung? Rahmenvereinbarungen ermöglichen es öffentlichen Auftraggebern, Einzelmandate ohne erneutes Vergabeverfahren an vorab qualifizierte Kanzleien zu vergeben. Sie werden für 4 Jahre (EU-Vergaberecht) abgeschlossen und können mehrere Kanzleien (Lose nach Rechtsgebieten) umfassen. Typische Rechtsgebiete: Vergaberecht, Baurecht, Arbeitsrecht, Gesellschaftsrecht, Datenschutzrecht.

Gibt es besondere Anforderungen bei der Vertretung vor Vergabekammern? Die Vertretung vor Vergabekammern und Vergabesenaten setzt spezifische Kenntnisse des Vergabeverfahrensrechts voraus. Viele öffentliche Auftraggeber bevorzugen Kanzleien mit nachgewiesener Erfahrung in Nachprüfungsverfahren und schriftlich dargelegter Fallstrategie.


Zuletzt aktualisiert: Jänner 2026 Alle Angaben ohne Gewähr. Für rechtlich verbindliche Auskünfte wenden Sie sich an eine auf Vergaberecht spezialisierte Kanzlei.

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