NACE-Code

NACE 68.3 – Vermittlung und Verwaltung von Grundstücken und Gebäuden für Dritte | Öffentliche Ausschreibungen

NACE 68.3: Facility Management und Hausverwaltung in öffentlichen Ausschreibungen. CPV-Codes, Auftraggeber und Vergabeverfahren für Immobiliendienstleistungen.

Definition: NACE 68.3 umfasst die Vermittlung sowie die Verwaltung von Grundstücken und Gebäuden im Auftrag Dritter, also auf fremde Rechnung. Im öffentlichen Beschaffungswesen ist diese Gruppe vor allem für Facility-Management-Leistungen, Gebäudeverwaltung und Immobilienvermittlung relevant — Dienste, die öffentliche Auftraggeber regelmäßig an spezialisierte Unternehmen vergeben.

Rechtsstand: NACE Rev. 2 (Verordnung (EG) Nr. 1893/2006) · Zuletzt aktualisiert: Jänner 2026


Was umfasst NACE 68.3?

NACE 68.3 (Vermittlung und Verwaltung von Grundstücken und Gebäuden für Dritte) klassifiziert Unternehmen, die im Auftrag von Eigentümern Immobilien verwalten, vermieten oder vermitteln — ein wachsendes Segment im öffentlichen Auftragswesen, das unter dem Begriff Facility Management (FM) zusammengefasst wird.

Die Gruppe 68.3 innerhalb des Abschnitts L (Grundstücks- und Wohnungswesen) und der Abteilung 68 gliedert sich in zwei Klassen:

KlasseBezeichnungTypische Tätigkeiten
68.31Vermittlung von Grundstücken und GebäudenMaklerleistungen, Vermarktung von Immobilien im Auftrag
68.32Verwaltung von Grundstücken und GebäudenFacility Management, Hausverwaltung, technisches Gebäudemanagement

Öffentliche Auftraggeber vergeben Leistungen nach NACE 68.3 vor allem, wenn sie eigene Liegenschaften durch externe Spezialisten verwalten lassen. Dazu gehören Schulen, Krankenhäuser, Behördengebäude, öffentliche Wohnungen und kommunale Einrichtungen aller Art.


Öffentliche Ausschreibungen: Tätigkeitsbereich NACE 68.3

Facility Management gehört zu den volumenstärksten Dienstleistungssegmenten im öffentlichen Auftragswesen — die Bewirtschaftung und Verwaltung öffentlicher Gebäude wird zunehmend an externe Dienstleister ausgelagert.

Typische Auftragsarten

  • Integriertes Facility Management (IFM): Gesamtpaket aus kaufmännischem, infrastrukturellem und technischem Gebäudemanagement
  • Technisches Gebäudemanagement (TGM): Wartung und Betrieb von Heizung, Lüftung, Klima, Sanitär, Elektro (HLKS/TGA)
  • Infrastrukturelles Gebäudemanagement (IGM): Reinigung, Grünpflege, Sicherheitsdienst, Hausmeisterdienste, Winterdienst
  • Kaufmännisches Gebäudemanagement (KGM): Mietermanagement, Nebenkostenabrechnung, Versicherungsverwaltung
  • Wohnungsverwaltung für kommunale Wohnungsgesellschaften: Hausverwaltungsleistungen für sozialen Wohnungsbau
  • Energiemanagement und -contracting: Optimierung des Energieverbrauchs öffentlicher Liegenschaften

Schwellenwerte und Verfahrensarten

Facility-Management-Aufträge sind klassische Dienstleistungsaufträge und unterliegen vollständig dem Vergaberecht. Der EU-Schwellenwert für Dienstleistungsaufträge (2024/2025: 221.000 EUR für zentrale Behörden, 443.000 EUR für andere öffentliche Auftraggeber) ist maßgeblich. Aufgrund der häufig hohen Auftragsvolumina und langen Laufzeiten (3–5 Jahre mit Verlängerungsoptionen) wird in der Regel ein offenes Verfahren oder ein Verhandlungsverfahren mit Teilnahmewettbewerb angewendet.


Relevante CPV-Codes für NACE 68.3

Facility Management und Immobilienverwaltung werden in Ausschreibungen durch spezifische CPV-Codes identifiziert — die Bandbreite reicht von technischem Gebäudebetrieb bis zu infrastrukturellen Dienstleistungen.

CPV-CodeBezeichnungAnwendungsbereich
79993000GebäudeverwaltungsdiensteKaufmännisches und technisches Gebäudemanagement
79993100Facility-Management-DiensteIntegriertes Facility Management
70330000Verwaltung von Grundstücken und GebäudenHausverwaltung, Liegenschaftsverwaltung
70332000Verwaltung von GewerbeimmobilienVerwaltung öffentlicher Bürogebäude
70333000HausverwaltungsleistungenKommunale Wohnungsverwaltung
50700000Reparatur und Wartung von GebäudeinstallationenInstandhaltung technischer Anlagen (TGM)

Aktuelle Ausschreibungen mit diesen CPV-Codes finden Sie auf TED (Tenders Electronic Daily) sowie auf nationalen Vergabeplattformen.


Für wen ist NACE 68.3 im Vergaberecht relevant?

Öffentliche Auftraggeber

Alle öffentlichen Stellen mit eigenem Gebäudebestand sind potenzielle Auftraggeber im Bereich NACE 68.3. In Österreich vergibt die Bundesimmobiliengesellschaft (BIG) umfangreiche FM-Leistungen für den Bund; Länder und Gemeinden vergeben über ihre Hochbauämter und Liegenschaftsbetriebe. In Deutschland ist die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) ein zentraler Auftraggeber; Länder und Kommunen verfügen über eigene Gebäudewirtschaftsorganisationen. Schulträger, Krankenhausträger und kommunale Wohnungsgesellschaften sind weitere bedeutende Auftraggeber.

Unternehmen und Bieter

FM-Dienstleister, die an öffentlichen Ausschreibungen teilnehmen, müssen typischerweise folgende Eignungsnachweise erbringen:

  • Befugnis und Zertifizierung: ISO 41001 (Facility Management), ISO 9001 (Qualitätsmanagement), ISO 14001 (Umweltmanagement)
  • Technische Leistungsfähigkeit: Referenzprojekte vergleichbarer Größe (Fläche, Leistungsumfang, Auftragsvolumen)
  • Personelle Ressourcen: Nachweis ausreichender Fachkräfte, insbesondere für das technische Gebäudemanagement
  • Digitale Kompetenz: CAFM-Systeme (Computer Aided Facility Management), BIM-Kenntnisse bei Neubauprojekten
  • Wirtschaftliche Leistungsfähigkeit: Haftpflichtversicherung, ausreichender Jahresumsatz, Eigenkapitalquote

NACE 68.3 im Kontext: Abschnitt L und Abteilung 68

NACE 68.3 ist Teil von Abteilung 68 (Grundstücks- und Wohnungswesen) und bildet das Bindeglied zwischen Immobilienwirtschaft und Dienstleistungssektor im öffentlichen Vergaberecht.


Häufige Fragen zu NACE 68.3 und öffentlichen Ausschreibungen

Was ist der Unterschied zwischen integriertem und einzelgewerkebasiertem Facility Management? Beim integrierten FM (IFM) werden alle Gebäudemanagementleistungen an einen einzigen Generaldienstleister vergeben. Beim einzelgewerkebasierten Ansatz werden technische, infrastrukturelle und kaufmännische Leistungen separat ausgeschrieben. Das IFM ist bei großen Liegenschaften verbreitet, während kleinere Auftraggeber häufig einzelne Gewerke gesondert vergeben.

Wie lange sind typische Laufzeiten für FM-Verträge der öffentlichen Hand? Üblich sind Grundlaufzeiten von 3–5 Jahren mit ein bis zwei Verlängerungsoptionen von je einem Jahr. Bei größeren Projekten (z.B. Schulkomplexe, Krankenhäuser) kommen auch längere Laufzeiten von bis zu 10 Jahren vor, sofern erhebliche Anfangsinvestitionen des Dienstleisters erforderlich sind.

Welche Zertifizierungen sind für FM-Ausschreibungen der öffentlichen Hand typischerweise erforderlich? Am häufigsten gefordert werden ISO 9001 (Qualitätsmanagement) und ISO 14001 (Umweltmanagement). ISO 41001 (Facility Management) gewinnt zunehmend an Bedeutung. Bei sicherheitskritischen Liegenschaften (z.B. Justiz, Polizei) können zusätzliche Sicherheitsnachweise erforderlich sein.

Können Losaufteilungen bei FM-Vergaben verlangt werden? Ja, öffentliche Auftraggeber sind grundsätzlich zur Losbildung verpflichtet, um den Mittelstand zu beteiligen (§ 97 Abs. 4 GWB, § 76 Abs. 2 BVergG 2018). Eine Zusammenfassung zu einem Gesamtauftrag ist nur bei überzeugender Begründung zulässig (z.B. technische oder wirtschaftliche Untrennbarkeit).


Zuletzt aktualisiert: Jänner 2026 Alle Angaben ohne Gewähr. Für rechtlich verbindliche Auskünfte wenden Sie sich an eine auf Vergaberecht spezialisierte Kanzlei.

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