NACE-Code

NACE 30.9 – Herstellung von Fahrzeugen a.n.g. | Öffentliche Ausschreibungen

NACE 30.9: Motorräder, Fahrräder und Rollstühle in öffentlichen Ausschreibungen. Beschaffung für Polizei, kommunale Flotten und Sozialeinrichtungen – CPV-Codes.

Definition: NACE 30.9 umfasst die Herstellung von Fahrzeugen, die anderweitig nicht klassifiziert sind — insbesondere Motorräder, Fahrräder, Elektrofahrräder, Rollstühle, Kinderfahrzeuge und ähnliche Fortbewegungsmittel. Diese Produkte sind in kommunalen Beschaffungen für Polizei, Ordnungsdienst, Sozialeinrichtungen und öffentliche Verleihsysteme relevant.

Rechtsstand: NACE Rev. 2 (Verordnung (EG) Nr. 1893/2006) · Zuletzt aktualisiert: April 2026


Was umfasst NACE 30.9?

NACE 30.9 (Herstellung von Fahrzeugen a.n.g.) ist eine vielfältige Restkategorie der Fahrzeugherstellung, die Motorräder, Fahrräder, Elektroroller, Rollstühle und ähnliche Fahrzeuge umfasst — Produkte, die öffentliche Auftraggeber für Polizei, kommunale Dienste und Sozialeinrichtungen beschaffen.

Die Gruppe 30.9 gliedert sich in folgende Klassen:

KlasseBezeichnungTypische Erzeugnisse
30.91Herstellung von MotorrädernMotorräder, Mopeds, Mofa, Elektro-Motorräder für Polizei und Behörden
30.92Herstellung von Fahrrädern und BehindertenfahrzeugenFahrräder, E-Bikes, Lastenräder, Rollstühle, Elektromobilitätshilfen

Öffentliche Auftraggeber sind Polizeidirektionen (Motorräder, Fahrräder), kommunale Ordnungsdienste (E-Scooter, Fahrräder), Pflegeeinrichtungen und Krankenhäuser (Rollstühle, Mobilitätshilfen), kommunale Bikesharing-Betreiber sowie Hochschulen und Behörden mit Campus-Mobilitätsprogrammen.


Öffentliche Ausschreibungen: Tätigkeitsbereich NACE 30.9

Fahrräder und Rollstühle bilden die volumenstärksten öffentlichen Beschaffungskategorien in NACE 30.9 — kommunale Bikesharing-Systeme und Rollstuhlversorgung in Sozialeinrichtungen generieren regelmäßig erhebliche Auftragsvolumina.

Typische Auftragsarten

  • Polizeimotorräder: Beschaffung von Motorrädern für Verkehrspolizei und Begleitschutz (BMW, Honda, Yamaha-Typen)
  • Polizeifahrräder und E-Bikes: Fahrräder und E-Bikes für kommunale Polizei, Stadtpolizei und Parkranger
  • Kommunale Bikesharing-Systeme: Fahrräder, E-Bikes und Lastenräder für öffentliche Verleihsysteme (z.B. Nextbike, DB Call a Bike)
  • Rollstühle für öffentliche Einrichtungen: Rollstühle, Transportstühle und Elektrorollstühle für Krankenhäuser, Pflegeheime, Bahnhöfe
  • Elektromobilitätshilfen: Elektrische Gehhilfen, Mobilitätshilfen für barrierefreien ÖPNV
  • Lastenräder für kommunale Dienste: E-Lastenräder für Zustelldienste, Grünflächenpflege, kommunale Botendienste

Schwellenwerte und Verfahrensarten

Die meisten Einzelbeschaffungen in NACE 30.9 liegen unterhalb der EU-Schwellenwerte (221.000 EUR für kommunale Lieferaufträge). Kommunale Bikesharing-Systeme als Gesamtpakete (Fahrräder, Software, Stationen) können jedoch erhebliche Volumina erreichen und EU-weite Ausschreibungen erfordern. Rahmenverträge sind bei regelmäßig wiederkehrendem Bedarf (z.B. Rollstühle in Kliniken) verbreitet.


Relevante CPV-Codes für NACE 30.9

CPV-CodeBezeichnungAnwendungsbereich
34410000MotorräderPolizeimotorräder, Behördenmotorräder
34430000FahrräderPolizeifahrräder, kommunale Dienstfahrräder
34431000Nicht motorisierte FahrräderStandardfahrräder, Lastenräder
34432000Motorisierte FahrräderE-Bikes, Pedelecs
33193000Rollstühle und BehindertenfahrzeugeRollstühle, Elektromobilitätshilfen
33193100RollstühleManuelle und elektrische Rollstühle

Aktuelle Ausschreibungen finden Sie auf TED (Tenders Electronic Daily) sowie auf nationalen Vergabeportalen und kommunalen Ausschreibungsplattformen.


Für wen ist NACE 30.9 im Vergaberecht relevant?

Öffentliche Auftraggeber

Polizeibehörden der Länder beschaffen Motorräder und Fahrräder regelmäßig über zentrale Vergabestellen der Innenministerien. Kommunen beschaffen Dienstfahrräder für Verwaltungen und Ordnungsdienste sowie Bikesharing-Systeme für den öffentlichen Raum. Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen in öffentlicher Trägerschaft sind bedeutende Abnehmer von Rollstühlen und Mobilitätshilfen — die Versorgung erfolgt teilweise über gesetzliche Krankenkassen (kein klassisches Vergabeverfahren) oder direkt über öffentliche Träger.

Unternehmen und Bieter

Fahrrad- und Rollstuhlhersteller sowie der Fachhandel müssen für öffentliche Ausschreibungen folgende Anforderungen erfüllen:

  • CE-Kennzeichnung: Fahrräder nach EN 14764, Elektrofahrräder nach EN 15194, Rollstühle nach EN 12183/12184
  • Barrierefreiheitsanforderungen: Rollstühle müssen den Anforderungen der einschlägigen Hilfsmittelverzeichnisse entsprechen
  • Wartung und Kundendienst: Nachweis eines regionalen Serviceunternehmens oder eigener Werkstattkapazitäten
  • Bikesharing-Systeme: Zusätzlich Softwareschnittstellen, Datenschutzkonformität (DSGVO), Zahlungssysteme

Häufige Fragen zu NACE 30.9 und öffentlichen Ausschreibungen

Müssen Kommunen Bikesharing-Systeme ausschreiben?
Ja — wenn der Auftragswert (Fahrräder, Stationen, Software, Service über die Vertragslaufzeit) den EU-Schwellenwert übersteigt, ist eine europaweite Ausschreibung erforderlich. Viele Bikesharing-Verträge umfassen auch Betriebsdienstleistungen, die eine gemischte Einordnung als Liefer- und Dienstleistungsauftrag erfordern.

Wie werden Rollstühle für öffentliche Einrichtungen beschafft?
Krankenhäuser und Pflegeheime in kommunaler Trägerschaft beschaffen Rollstühle über eigene Vergabeverfahren. Für die individualisierte Patientenversorgung über Krankenkassen gelten eigene Leistungserbringer-Vertragsregelungen (§ 127 SGB V), die von klassischen Vergabeverfahren abweichen.

Fallen E-Scooter unter NACE 30.9?
Elektrische Tretroller (E-Scooter) fallen je nach Bauart unter NACE 30.92 (wenn pedallos und mit Sitz) oder unter NACE 30.91 (wenn mopedähnlich). Für kommunale E-Scooter-Sharing-Systeme mit privatem Betrieb ist eine Konzessionsvergabe oder ein öffentlicher Auftrag möglich.


NACE 30.9 im Kontext: Abschnitt C und Abteilung 30


Zuletzt aktualisiert: April 2026
Alle Angaben ohne Gewähr. Für rechtlich verbindliche Auskünfte wenden Sie sich an eine auf Vergaberecht spezialisierte Kanzlei.

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