NACE-Code

NACE 30.2 – Schienenfahrzeugbau | Öffentliche Ausschreibungen

NACE 30.2: Züge, U-Bahnen und Straßenbahnen in öffentlichen Ausschreibungen. ÖPNV-Fahrzeugbeschaffung EU-weit – CPV-Codes und Vergabeverfahren für Schienenfahrzeuge.

Definition: NACE 30.2 umfasst den Bau von Lokomotiven, Triebwagen, Reisezugwagen, Güterwagen, U-Bahn-Zügen, Straßenbahnen und zugehörigem Rollmaterial für den Schienenpersonenverkehr und Schienengüterverkehr. Diese Gruppe zählt zu den strategisch bedeutsamsten Segmenten im europäischen öffentlichen Beschaffungswesen.

Rechtsstand: NACE Rev. 2 (Verordnung (EG) Nr. 1893/2006) · Zuletzt aktualisiert: April 2026


Was umfasst NACE 30.2?

NACE 30.2 (Schienenfahrzeugbau) klassifiziert Hersteller von Zügen, U-Bahnen, Straßenbahnen und Lokomotiven — eine Branche, deren Absatz fast vollständig durch öffentliche Vergaben bestimmt wird, da Betreiber von Schieneninfrastruktur nahezu ausschließlich öffentliche oder regulierte Unternehmen sind.

Die Gruppe 30.2 gliedert sich in folgende Klasse:

KlasseBezeichnungTypische Erzeugnisse
30.20Herstellung von SchienenfahrzeugenElektrolokomotiven, Diesellokomotiven, Triebzüge, Doppelstockwagen, U-Bahn-Züge, Straßenbahnwagen, Güterwagen, Gleisbaufahrzeuge

Öffentliche Auftraggeber sind DB Fernverkehr, DB Regio, ÖBB, kommunale Verkehrsunternehmen (BVG, Wiener Linien, MVG), Bundesländer als ÖPNV-Aufgabenträger sowie Eisenbahninfrastrukturbetreiber.


Öffentliche Ausschreibungen: Tätigkeitsbereich NACE 30.2

Schienenfahrzeugbeschaffungen gehören zu den größten Einzelvergaben im gesamten öffentlichen Beschaffungswesen Europas — Rahmenverträge für Straßenbahnfahrzeuge oder U-Bahn-Züge können Volumina von mehreren Milliarden Euro erreichen.

Typische Auftragsarten

  • Fernverkehrstriebzüge: Hochgeschwindigkeitszüge, ICE-Nachfolger, internationale Nachtzüge für DB und ÖBB
  • Regionalzüge: Elektrische und dieselgetriebene Triebzüge für Schienenpersonennahverkehr (SPNV)
  • U-Bahn-Fahrzeuge: Neue U-Bahn-Züge für städtische Verkehrsbetriebe (Typ U5 Berlin, U-Bahn Wien)
  • Straßenbahnen: Niederflurstraßenbahnen für kommunale Verkehrsbetriebe, oft EU-weit ausgeschrieben
  • Güterwagen: Staatliche und regulierte Güterbahnunternehmen beschaffen Waggons
  • Gleisbaumaschinen: Stopfmaschinen, Gleisstopfzüge, Schienenschleifzüge für Infrastrukturbetreiber

Schwellenwerte und Verfahrensarten

Schienenfahrzeugbeschaffungen unterliegen als Sektorenauftraggeber (Eisenbahnbetreiber) dem Sektorenvergaberecht (Richtlinie 2014/25/EU). Der Schwellenwert für Lieferaufträge beträgt 443.000 EUR — bei Schienenfahrzeugen in der Praxis irrelevant, da Einzelwerte weit darüber liegen. Typisch sind nicht offene Verfahren nach vorherigem Teilnahmewettbewerb oder Verhandlungsverfahren wegen technischer Komplexität. Rahmenkaufverträge mit Optionen sind marktüblich.


Relevante CPV-Codes für NACE 30.2

CPV-CodeBezeichnungAnwendungsbereich
34600000Schienenfahrzeuge und zugehörige AusrüstungenÜbergeordnete Kategorie
34620000LokomotivenElektro- und Diesellokomotiven
34622000TriebwagenElektrische Triebzüge (EMU), SPNV-Fahrzeuge
34622100StraßenbahnenNiederflurstraßenbahnen
34622200Wagen für den NahverkehrU-Bahn-Züge, S-Bahn-Fahrzeuge
34623000GüterwagenKesselwagen, Containertragwagen

Aktuelle Ausschreibungen finden Sie auf TED (Tenders Electronic Daily), häufig unter der Kategorie Sektorenvergabe.


Für wen ist NACE 30.2 im Vergaberecht relevant?

Öffentliche Auftraggeber

DB AG (DB Fernverkehr, DB Regio) und ÖBB sind die größten Einzelbeschaffer für Schienenfahrzeuge in Deutschland und Österreich. Kommunale Verkehrsunternehmen wie BVG (Berlin), MVG (München), Wiener Linien oder VGF (Frankfurt) beschaffen Straßenbahnen und U-Bahn-Züge eigenständig. Aufgabenträger (Bundesländer, Zweckverbände) können als Sektorenauftraggeber die Beschaffung koordinieren.

Unternehmen und Bieter

Der globale Markt für Schienenfahrzeuge wird von wenigen Großkonzernen dominiert (Alstom, Siemens Mobility, Stadler, CRRC, Hitachi). Bieter müssen nachweisen:

  • TSI-Konformität: Technische Spezifikationen für die Interoperabilität (TSI-Normen nach RL 2016/797/EU)
  • ERA-Zulassung: Fahrzeugzulassung durch die Europäische Eisenbahnagentur (ERA) oder nationale Behörde (EBA, bmvit)
  • Referenzen: Vergleichbare Flottenlieferungen in Anzahl, Fahrzeuglänge und Anforderungsprofil
  • Lifecycle-Kosten (LCC): Öffentliche Auftraggeber werten zunehmend Betriebskosten über die gesamte Fahrzeuglebensdauer

Häufige Fragen zu NACE 30.2 und öffentlichen Ausschreibungen

Wie werden Straßenbahnbeschaffungen typischerweise vergeben?
Straßenbahnen werden im nicht offenen Verfahren oder Verhandlungsverfahren vergeben. Ein vorgeschalteter Teilnahmewettbewerb filtert geeignete Bieter. Technische Spezifikationen orientieren sich an bestehenden Fahrzeugflotten (Systemkompatibilität) oder schreiben offene Plattformen vor.

Dürfen öffentliche Auftraggeber europäische Hersteller gegenüber asiatischen bevorzugen?
Im offenen EU-Binnenmarkt und im Rahmen des GPA (Government Procurement Agreement) ist eine Diskriminierung nach Herkunftsland grundsätzlich unzulässig. Die EU prüft jedoch Instrumente zur Reziprozität bei Märkten mit ungleichen Marktzugangsbedingungen.

Was sind Lifecycle-Kosten (LCC) und wie werden sie in Ausschreibungen berücksichtigt?
LCC umfassen alle Kosten über die Lebensdauer des Fahrzeugs: Anschaffung, Wartung, Energie, Entsorgung. Öffentliche Auftraggeber nutzen LCC-Berechnungen als Zuschlagskriterium neben dem Anschaffungspreis, um das wirtschaftlich günstigste Angebot zu ermitteln.


NACE 30.2 im Kontext: Abschnitt C und Abteilung 30


Zuletzt aktualisiert: April 2026
Alle Angaben ohne Gewähr. Für rechtlich verbindliche Auskünfte wenden Sie sich an eine auf Vergaberecht spezialisierte Kanzlei.

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