NACE-Code

NACE 23.7 – Be- und Verarbeitung von Natursteinen | Öffentliche Ausschreibungen

NACE 23.7: Natursteinverarbeitung in öffentlichen Ausschreibungen. Bodenbeläge, Fassaden, Denkmalschutz und kommunale Friedhöfe.

Definition: NACE 23.7 umfasst die Be- und Verarbeitung von Natursteinen wie Granit, Marmor, Sandstein, Kalkstein und Schiefer zu Fertigprodukten. Im öffentlichen Auftragswesen sind Natursteinprodukte für repräsentative Bodenbeläge, Fassadenverkleidungen, denkmalgeschützte Restaurierungen, kommunale Friedhöfe und Infrastrukturprojekte relevant.

Rechtsstand: NACE Rev. 2 (Verordnung (EG) Nr. 1893/2006) · Zuletzt aktualisiert: Januar 2026


Was umfasst NACE 23.7?

NACE 23.7 (Be- und Verarbeitung von Natursteinen) klassifiziert Unternehmen, die Natursteine brechen, sägen, spalten, schleifen und zu Fertigprodukten verarbeiten — ein handwerklich geprägtes Segment mit klarem Bezug zu öffentlichen Repräsentationsbauten, Denkmalpflege und Friedhofswirtschaft.

Die Gruppe 23.7 innerhalb des Abschnitts C (Verarbeitendes Gewerbe) und der Abteilung 23 umfasst:

KlasseBezeichnungTypische Erzeugnisse
23.70Be- und Verarbeitung von NatursteinenGranitplatten, Marmorböden, Sandsteinfassaden, Pflastersteine aus Granit, Bordsteine, Grabsteine, Skulpturen, Steinmöbel, Treppen aus Naturstein

Die wichtigsten verarbeiteten Gesteinsarten im öffentlichen Bereich sind Granit (Pflaster, Außenbeläge), Sandstein (Fassaden, Restaurierung), Kalkstein (Treppenstufen, Innenböden), Marmor (repräsentative Innenräume) und Schiefer (Dachdeckung, Wandverkleidung). Natursteinpflaster gehört zu den beständigsten und langlebigsten Belagsmaterialien für öffentliche Flächen.


Öffentliche Ausschreibungen: Tätigkeitsbereich NACE 23.7

Natursteinprodukte spielen in der öffentlichen Beschaffung eine bedeutende Rolle bei der Gestaltung öffentlicher Räume, der Denkmalpflege und kommunalen Friedhöfen — Segmente, in denen Qualität und historische Authentizität Priorität über den bloßen Preis haben.

Typische Auftragsarten

  • Öffentliche Plätze und Fußgängerzonen: Granit- und Klinker-Pflasterarbeiten für repräsentative Innenstadtflächen, Marktplätze und Rathausvorplätze — oft in Kombination mit historisch abgestimmten Steinformaten
  • Treppenstufen und Podeste: Natursteinstufen (Granit, Kalkstein) für öffentliche Gebäude, Denkmäler und U-Bahn-Eingänge mit langer Nutzungsdauer
  • Denkmalpflege und Restaurierung: Reproduktion und Ersatz von Natursteinelementen an denkmalgeschützten Gebäuden (Sandstein-, Kalkstein- und Marmorrestaurierung), Reinigung und Konservierung historischer Steinfassaden
  • Kommunale Friedhöfe: Grabmale und Einfassungen, Friedhofswege aus Naturstein, Urnenwände und Kolumbarien; öffentliche Auftraggeber sind kommunale Friedhofsämter
  • Fassadenverkleidungen: Naturstein-Fassadenplatten für öffentliche Representationsgebäude (Ministerien, Botschaften, Gerichtsgebäude)
  • Straßen- und Wegebau: Natursteinpflaster und Bordsteine aus Granit oder Porphyr für historisch geprägte Innenstadtbereiche

Schwellenwerte und Verfahrensarten

Größere Natursteinprojekte (z.B. Platzgestaltungen, umfassende Fassadenrestaurierungen) können als Bauaufträge den EU-Schwellenwert überschreiten. Denkmalschutzprojekte mit spezifischen Materialanforderungen (Originalgestein, historische Steinformate) werden häufig im Verhandlungsverfahren mit Teilnahmewettbewerb ausgeschrieben, da nicht jeder Anbieter die erforderliche Spezialisierung mitbringt.


Relevante CPV-Codes für NACE 23.7

Die nachfolgenden CPV-Codes ermöglichen die Suche nach Naturstein-Ausschreibungen auf TED und nationalen Vergabeplattformen.

CPV-CodeBezeichnungAnwendungsbereich
14212000Kies, Sand, Splitt und SchotterNatursteinmaterial und Schüttgut
44113200NatursteinpflasterGranitpflaster, Porphyrpflaster
44111000Baumaterialien (Naturstein)Natursteinplatten, -blöcke
45112723Landschaftsgärtnerische Arbeiten (Naturstein)Naturstein im Außenbereich
45262500Mauerarbeiten und VerkleidungFassadenverkleidungen aus Naturstein
98371111FriedhofsbetriebKontext kommunale Friedhöfe

Aktuelle Ausschreibungen finden Sie auf TED (Tenders Electronic Daily) sowie auf kommunalen Vergabeplattformen und dem Deutschen Vergabeportal (DTVP).


Für wen ist NACE 23.7 im Vergaberecht relevant?

Öffentliche Auftraggeber

Hauptauftraggeber für Natursteinprodukte im öffentlichen Sektor sind kommunale Grünflächen- und Friedhofsämter (Grabmale, Friedhofswege), kommunale Tiefbauämter (Natursteinpflaster und Bordsteine), Denkmalschutzbehörden und Landesämter für Denkmalpflege (Restaurierungsmaterialien), Bundesbehörden (Repräsentationsgebäude, Bundesministerien), kommunale Gebäudewirtschaft (Fassadenrestaurierungen) sowie die Deutsche Bahn und kommunale Verkehrsbetriebe für Bahnhofsprojekte mit historischem Ambiente.

Unternehmen und Bieter

Natursteinbetriebe (Steinmetz- und Steinbildhauerbetriebe) als Bieter sollten beachten:

  • Meisterqualifikation: Im Steinmetz- und Steinbildhauerhandwerk ist der Meisterbrief für gewerblich-öffentliche Arbeiten relevant; Eintrag in Handwerksrolle
  • Herkunftsnachweise: Zunehmende Anforderungen an die Herkunft von Naturstein (Sozial- und Umweltstandards im Abbauland) — insbesondere für Granit aus Asien (Kinderarbeit-Ausschluss)
  • Denkmalschutz-Referenzen: Nachweis von Erfahrungen mit denkmalgeschützten Restaurierungsprojekten, ggf. Empfehlung durch Landesamt für Denkmalpflege
  • Muster und Freigaben: Bei Restaurierungen ist oft eine Musterfläche vor Ausführungsbeginn zur Abstimmung mit Denkmalbehörde zwingend vorgesehen
  • CE-Kennzeichnung: Für Natursteinpflaster (EN 1342), Bordsteine (EN 1343) und Platten für Außenbereiche (EN 1341) ist CE-Kennzeichnung nach Bauproduktenverordnung Pflicht

NACE 23.7 im Kontext: Abschnitt C und Abteilung 23

NACE 23.7 ergänzt die industrielle Mineralstoffverarbeitung der Abteilung 23 um das handwerklich geprägte Natursteinsegment — mit besonderer Relevanz für Denkmalpflege und repräsentative öffentliche Räume.


Häufige Fragen zu NACE 23.7 und öffentlichen Ausschreibungen

Warum werden Natursteinpflaster trotz höherer Kosten öffentlich ausgeschrieben? Natursteinpflaster überzeugt durch extreme Langlebigkeit (>100 Jahre Lebensdauer), Reparierbarkeit (einzelne Steine können ausgetauscht werden), Authentizität in historischen Innenstadtbereichen und zunehmend ökologische Vorteile (kein Mikroplastik, keine polymere Bindung). Die Lebenszykluskosten sind daher oft günstiger als bei Betonpflaster.

Welche Anforderungen gelten bei der Beschaffung von Grabmalen durch kommunale Friedhöfe? Kommunale Friedhöfe als öffentliche Auftraggeber müssen Aufträge für Grabmale, Urnenfelder und Friedhofsmöbel aus Naturstein vergabekonform ausschreiben, sobald die Wertgrenzen überschritten werden. Zunehmend werden Herkunftsnachweise für Naturstein gefordert (sozialverträglicher Abbau, kein Kinderarbeit-Einsatz).

Können Natursteinbetriebe aus anderen EU-Ländern bei deutschen Ausschreibungen mitbieten? Ja — EU-weit ausgeschriebene Aufträge stehen allen EU-Bietern offen. Bei spezifischen Denkmalschutzaufträgen mit Anforderungen an historische Steinformate oder regionale Gesteinsarten können technische Spezifikationen faktisch einen engeren Bieterkreis ergeben, sofern diese Anforderungen sachlich gerechtfertigt sind.


Zuletzt aktualisiert: Januar 2026 Alle Angaben ohne Gewähr. Für rechtlich verbindliche Auskünfte wenden Sie sich an eine auf Vergaberecht spezialisierte Kanzlei.

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