NACE-Code

NACE 20.6 – Herstellung von Chemiefasern | Öffentliche Ausschreibungen

NACE 20.6: Chemiefasern (Polyester, Nylon, Viskose) in öffentlichen Ausschreibungen. CPV-Codes, Auftraggeber und technische Textilien für die Beschaffung.

Definition: NACE 20.6 umfasst die Herstellung von synthetischen und künstlichen Chemiefasern wie Polyester, Polyamid (Nylon), Polyacryl, Viskose und anderen cellulosischen Fasern. Diese Fasern bilden die Grundlage für technische Textilien, Arbeitsschutzkleidung und Funktionsmaterialien, die in der öffentlichen Beschaffung eine zunehmend wichtige Rolle spielen.

Rechtsstand: NACE Rev. 2 (Verordnung (EG) Nr. 1893/2006) · Zuletzt aktualisiert: Januar 2026


Was umfasst NACE 20.6?

NACE 20.6 (Herstellung von Chemiefasern) klassifiziert Unternehmen, die synthetische oder regenerierte Fasern und Filamentgarne aus chemischen Grundstoffen produzieren — eine Schlüsselindustrie für technische Textilien und Schutzausrüstungen im öffentlichen Sektor.

Die Gruppe 20.6 innerhalb des Abschnitts C (Verarbeitendes Gewerbe) und der Abteilung 20 (Chemische Industrie) gliedert sich in zwei Klassen:

KlasseBezeichnungTypische Erzeugnisse
20.60Herstellung von ChemiefasernPolyester-, Polyamid-, Viskosefasern, Aramidfasern, Carbon-Filamente, technische Garne

Synthetische Fasern (Polyester, Nylon, Aramidfasern wie Kevlar) werden als Vorprodukt für Schutzwesten, Feuerwehrkleidung, Arbeitsschutzkleidung und militärische Ausrüstung eingesetzt. Regenerierte Fasern (Viskose, Lyocell) finden Verwendung in medizinischen Textilien und Hygieneprodukten für den Krankenhauseinsatz.

Öffentliche Auftraggeber, die Erzeugnisse aus diesem Segment beschaffen, sind primär Beschaffungsämter der Bundeswehr, Polizeibehörden, Feuerwehren, Krankenhäuser sowie kommunale Einrichtungen mit Bedarf an Dienstkleidung und persönlicher Schutzausrüstung (PSA).


Öffentliche Ausschreibungen: Tätigkeitsbereich NACE 20.6

Chemiefasern werden in öffentlichen Ausschreibungen überwiegend als Vorprodukt — also eingebettet in Enderzeugnisse wie Schutzkleidung, medizinische Textilien oder technische Filter — beschafft. Unmittelbare Rohmaterialbeschaffung nach NACE 20.6 erfolgt vor allem durch staatliche Produktionsbetriebe und Bundeseinrichtungen mit Eigenfertigung.

Typische Auftragsarten

  • Persönliche Schutzausrüstung (PSA): Feuerschutzkleidung, Schnittschutzhandschuhe, Warnschutzwesten für Polizei, Feuerwehr, THW und Bauhöfe
  • Militärische Ausrüstung: Ballistische Schutzmaterialien, Tarnkleidung und Trägersysteme aus Aramidfasern für die Bundeswehr
  • Medizinische Einwegtextilien: OP-Abdeckmaterialien, Einwegkittel und Sterilisationstextilien aus Viskose oder Polypropylen-Vliesen für Krankenhäuser
  • Technische Filter: Filtergewebe für kommunale Kläranlagen und Industriefilteranlagen
  • Dienstkleidung: Uniformtextilien für Behörden, die polyesterbasierte Funktionsgewebe erfordern

Schwellenwerte und Verfahrensarten

Ausschreibungen für Schutzkleidung und technische Textilien im Unterschwellenbereich (unter 221.000 EUR für Lieferungen) erfolgen häufig über nationale Vergabeplattformen. Bei größeren Rahmenverträgen — etwa für die Ausstattung von Polizeibehörden oder Bundeswehrkontingenten — wird regelmäßig das offene Verfahren EU-weit durchgeführt.


Relevante CPV-Codes für NACE 20.6

Die Verknüpfung zwischen Chemiefaserherstellung und konkreten Ausschreibungen erfolgt über CPV-Codes, die auf TED und nationalen Vergabeplattformen zur Suche genutzt werden können.

CPV-CodeBezeichnungAnwendungsbereich
24540000KunstfasernRohmaterialbeschaffung Chemiefasern
18110000BerufskleidungPSA und Dienstkleidung mit synthetischen Fasern
18141000ArbeitshandschuheSchnitt- und Hitzeschutzhandschuhe
35113400Schutz- und SicherheitskleidungFeuerschutz, Chemikalienschutz, Warnschutz
33199000Kleidung für medizinisches PersonalEinwegkittel, OP-Abdeckungen
19000000Leder- und TextilartikelÜbergeordneter CPV für Textilbeschaffung

Aktuelle Ausschreibungen mit diesen CPV-Codes finden Sie auf TED (Tenders Electronic Daily) sowie auf nationalen Vergabeplattformen wie dem Deutschen Vergabeportal (DTVP).


Für wen ist NACE 20.6 im Vergaberecht relevant?

Öffentliche Auftraggeber

Die direkte Beschaffung von Chemiefasern ist auf staatliche Einrichtungen mit Eigenfertigung beschränkt. Die weitaus größere Bedeutung hat NACE 20.6 als vorgelagerte Wertschöpfungsstufe: Hersteller von PSA, Dienstkleidung und technischen Textilien, die an öffentlichen Ausschreibungen teilnehmen, sind auf die Qualität und Verfügbarkeit von Chemiefaserprodukten angewiesen. Auftraggeber wie das Beschaffungsamt des BMI, das BAAINBw (Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr) und kommunale Beschaffungsstellen sind die maßgeblichen Vergabestellen für Endprodukte auf Chemiefaserbasis.

Unternehmen und Bieter

Chemiefaserhersteller, die Vorprodukte an öffentliche Auftraggeber oder deren Lieferanten liefern, sollten folgende Aspekte beachten:

  • Produktzertifizierungen: OEKO-TEX Standard 100 und 1000, REACH-Konformität, Bluesign für nachhaltige Fasern
  • Technische Leistungsnachweise: Prüfberichte nach EN-Normen für Schutzwirkungen (EN ISO 11612 für Hitzeschutz, EN 388 für Schnittschutz)
  • Lieferkettennachweise: Zunehmend geforderte Nachweise über Herkunft und Nachhaltigkeit der Rohstoffe (Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz)
  • Rahmenvertragseignung: Kapazitätsnachweise für die zuverlässige Lieferung größerer Mengen über mehrjährige Vertragslaufzeiten

NACE 20.6 im Kontext: Abschnitt C und Abteilung 20

NACE 20.6 ist Teil der Abteilung 20 (Herstellung von chemischen Erzeugnissen) innerhalb des Verarbeitenden Gewerbes — einem der beschaffungsintensivsten Abschnitte im europäischen öffentlichen Auftragswesen.


Häufige Fragen zu NACE 20.6 und öffentlichen Ausschreibungen

Welche Unternehmen fallen unter NACE 20.6? Betriebe, die aus chemischen Ausgangsstoffen Fasern und Filamente herstellen — also Spinnereien für synthetische oder regenerierte Fasern. Weiterverarbeitende Betriebe (Webereien, Konfektion) sind anderen NACE-Gruppen zuzuordnen.

Wie finde ich öffentliche Aufträge mit Bezug zu Chemiefasern? Da Chemiefasern überwiegend als Vorprodukt beschafft werden, empfiehlt sich die Suche über CPV-Codes für Endprodukte (z.B. 35113400 für Schutzkleidung, 18110000 für Berufskleidung) auf TED.

Welche Nachhaltigkeitsanforderungen stellen öffentliche Auftraggeber? Zunehmend werden Umweltkriterien in Ausschreibungen für Textilien und PSA integriert — etwa Anforderungen an OEKO-TEX-Zertifizierungen, recycelte Fasergehalte oder Energieeffizienz bei der Faserherstellung, basierend auf den EU-GPP-Kriterien (Green Public Procurement).

Spielt NACE 20.6 bei der Lieferkettensorgfalt eine Rolle? Ja — das deutsche Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz (LkSG) verpflichtet Abnehmer zur Risikoprüfung ihrer Zulieferer, was Chemiefaserhersteller als wichtige Vorlieferanten für PSA-Beschaffer betrifft.


Zuletzt aktualisiert: Januar 2026 Alle Angaben ohne Gewähr. Für rechtlich verbindliche Auskünfte wenden Sie sich an eine auf Vergaberecht spezialisierte Kanzlei.

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